Ricarda's Needlework

Von Mustern und anderen patenten Dingen

Posted in knitting by ricardaknits on 2012/02/14

Von Mustern und anderen patenten Dingen

Es gibt beim Stricken schummeln? Es gibt ein Schummelpatent? Was es bei euch nicht alles gibt … so oder so ähnlich reagierte mein Liebling, als ich ihm davon berichtete, dass ich für den neuen Strickkurs an unserer hiesigen VHS einige Muster brauche und aus diesem Anlass gerade Musterproben stricke. Wie eine Verrückte, um genau zu sein. Im letzten Kurs kam die Frage nach Patenten und dem Patentmuster.

Ich erinnerte mich daran, in meinem ganzen Leben lediglich einmal ein Halbpatent gestrickt zu haben und dass dieser Pullover schon lange den Weg alles Irdischen gegangen ist. Es war ein wunderbar weicher, sehr warmer Pullover, allerdings hatte die Wolle nach einen Jahr ihren Geist aufgegeben und sah einfach nur noch traurig und nicht mehr fröhlich aus. Dieser Pullover war ein Raglan-Pullover, der von unten gestrickt wurde und einen schönen dicken flauschigen Rollkragen hatte. In den letzten beiden – ich meine drei – Wintern hätte man so einen tollen Pullover schon benötigen können.

Jedenfalls stand ich mit den Patenten diversester Ausprägung so ziemlich auf Kriegsfuß. Wobei Kriegsfuß eine arge Übertreibung ist, denn die Tatsache war, ich habe sie einfach nicht gestrickt. Sie benötigte mir zu viel Wolle. Für Schals habe ich ein modifiziertes sehr falsches Patent gestrickt, was eher einem: *1 li, 1 M mit hinter der Masche liegendem Faden li abheben, ab * fortlaufend wdh, wenden, abgehobene Maschen li stricken, rechte Maschen re stricken, wenden *1 li, 1 M mit hinter der Masche liegendem Faden li abheben … glich. Patent sieht anders aus, die Schals kamen jedenfalls gut an. Ich habe heute noch zwei davon im Schrank.

Gefühlte 250 Musterproben habe ich nun gestrickt, alles diverse Patentmuster. Um einen Überblick und vor allem einen roten Faden durch die verschiedenen Varianten der Patente zu bekommen, war mir www.nadelspiel.com sehr hilfreich. Ein netter Überblick, wobei ich mich auf die traditionellen Muster beschränkt habe und die Neuerungen außen vor ließ, mit schönen, leicht verständlichen Videos. Für den Strickanfänger geeignet. Warum ich mich darauf herumgetrieben habe? Wegen des Schummelpatents natürlich, das ich dort nicht gefunden habe. Ich habe mich dann da ein wenig festgelesen und geschaut und jene Vielfalt an Patenten wahrgenommen, die die  meisten Strickmuster-Bücher nur erahnen lassen. Aber … Wenn jedes Mal, wenn ich einen Wechsel aus Umschlag und normalen Maschen bzw. Zusammengestrickten Maschen arbeite, ein Patentmuster entsteht, dann frage ich mich, ob wir überhaupt noch etwas anderes als Patentmuster stricken …  ausgenommen Glattrechts/-links, Perlmuster oder Rippenmuster. Also beließ ich es als Anregung und als Auffrischung der diversen Patente und habe mich auf zwei Fassungen des Schummelpatent festgelegt.

Musterproben sind mittlerweile von folgenden Mustern entstanden:

  1. Vollpatent
  2. Glattpatent – reines Patent
  3. Netzpatent – kleines Netzpatent
  4. Waffelpatent – großes Netzpatent
  5. Perlpatent
  6. Moospatent
  7. Schummelpatent – falsches Patent, in zwei Varianten (man kann eben vielseitig schummeln, ;) )

Bei Patenten soll es aber nicht bleiben. Ebenso wird es einen Einblick in malerische Ajourmuster und “pseudo”-Ajourmuster geben.

  1. Spanisches Lochmuster – Frostflower
  2. Himbeermuster – Raspberrypattern
  3. schlichtes Ajourmuster … (nach oben geöffnete Dreiecke)
  4. Ajour-Rippen, die bereits beim Spanischen Lochmuster von Bedeutung sind

Ob es ankommt oder nicht sei erst einmal dahin gestellt. Die Patente sind gearbeitet, die Löcher müssen noch gestrickt werden, doch das wird was, das habe ich im Gefühl. ;) Was ich beim Herumkramen in meinen sehr frühen Stricknotizen gefunden habe, hat mich doch erstaunen lassen. Zu Vorwende-Zeiten hatte ich eine Freundin, die bereits mit elf Jahren eigene Pullover strickte … Gott, war ich neidisch … und sie hat aus Zeitungen stets Muster abgemalt und ich durfte sie dann von ihr abmalen. Jedenfalls habe ich in den zerfledderten Blättern (Papyros, der Gott des Papiers sein ihrer Schnipsel gnädig) einige Muster gefunden, die heute so herrlich klangvolle Namen haben wie: Cozy, Branching Out, Dayflower … etc. Bei uns hießen sie damals: Ajourmuster 10, 14 oder 5. Wir Deutschen sind ja so was von sachlich … Fantasielos kann ich nicht sagen, denn diese ist vorhanden und Kreativität auch, aber was die Benennung betrifft … Eisblumen hören sich doch schöner an als Spanisches Lochmuster. Letzteres klingt nach der Spanischen Inquisition. >.>

Langer Rede kurzer Sinn: Ein Bereich des Kurses wird das Stricken von Mustern sein. Ich weiß aber schon jetzt, dass mein ganzes Konzept wieder nur für den Beginn war und ich nur die Hälfte von dem verwirklichen können werde, was ich geplant habe, da meine Kursteilnehmerinnen allesamt auf unterschiedlichem Strickniveau zu Hause sind. Daher erübrigt sich eigentlich ein Konzept.

Ich muss noch überlegen, wie ich das Ganze präsentiere. Vermutlich erst einmal in einer Schachtel mit kleinen Papieretiketten am Rand …

 

Btw: Habt ihr das hier schon gesehen? Wow, Martine, es ist beeindruckend, was du an Energie und Zeit in dieses Projekt gesteckt hast.

Eine Antwort

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  1. Martine said, on 2012/02/15 at 11:01

    Danke, Ricarda, auch für Deinen so netten Kommentar in meinem Blog!
    Liebe Grüße
    Martine


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